Geschichte

 

Geschichten und Schuldfragen

Mit dem Geschichts-GK im Haus der Wannseekonferenz

Am 11.12.15 findet die gemeinsame Exkursion der Geschichts-Grundkurse von Frau Knobelsdorf und Frau Vorwald ins Haus der Wannseekonferenz statt. In Gruppenarbeit widmen wir uns hier verschiedenen Aspekten des Holocausts und der nationalsozialistischen Diktatur.

Vor allem Einzelschicksale werden detailreich vorgestellt und analysiert. Doch immer wieder kommen dieselben Fragen auf: Ab wann ist ein Mensch schuldig? Ab wann Nichtstun ein Verbrechen? Und ist Neutralität überhaupt möglich? Kann man, wie NS-Propagandaregisseurin Leni Riefenstahl behauptet, als „politisch neutraler“ Mensch im „Dritten Reich“ ungestört seiner Kunst frönen? Oder wird man, indem man die Karrierechancen nutzt, die der NS-Staat einem bietet, automatisch zum Mittäter? Unsere Antwort ist klar: Im nationalsozialistischen Regime sind auch die Mitläufer und Opportunisten schuldig. Trotzdem bleibt unser Urteil von dem Wissen überschattet, dass auch wir, hätten wir zur Zeit des Nationalsozialismus gelebt, aller Wahrscheinlichkeit nach keine Widerstandskämpfer gewesen wären. „Das waren doch nur ganz wenige.“, sagt Leni Riefenstahl beinahe flehentlich in dem Interview, das wir uns auf Youtube anschauen. Trotz allem keine Entschuldigung, finden wir.

Nach der Mittagspause geht es in den Ausstellungsräumen des geschichtsträchtigen Gebäudes weiter. Die Wannseekonferenz – die Konferenz also, in der der Massenmord an Juden und Andersdenkenden offiziell beschlossen wurde – nichts weiter als eine Stellvertreterkonferenz, erfahren wir. Von den „hohen Tieren“ des Nationalsozialismus war hier niemand anwesend. Auch kann die Konferenz nicht als Beginn des Holocausts bezeichnet werden – der Völkermord begann bereits lange vor den offiziellen Beschlüssen. Diese sind überdies geprägt von Umschreibungen und Euphemismen. Wem sollte hier noch etwas vorgemacht werden, fragen wir uns. Und wieder – Bei wem liegt die Schuld für all diese Vergehen? Ein Mann allein kann sie nicht tragen.

Es ist eine Frage, die wir uns nicht nur im Rahmen dieser Exkursion stellen – oder stellen sollten. Wir nehmen sie mit, genau wie den Gedanken an Leni Riefenstahls scheinbar so entgeistertes Lächeln als Antwort auf die Anschuldigung, sie sei eine Mittäterin im Nationalsozialismus gewesen: Die Schuldfrage, die auch in unserem heutigen (politischen) Alltag so präsent ist.

Wann ist Nichtstun ein Vergehen? Wann fangen wir endlich an zu handeln? Wann gehen wir endlich gegen das Unrecht vor, das um uns herum geschieht? Fragen, die bleiben.

Lisa Starogardzki, 3. Semester

 

Projekttag "Israel anders kennen lernen"

Am Dienstag, dem 03.11.2015, hatten die LK- und einige GK-Schüler des Walther-Rathenau-Gymnasiums die Möglichkeit, im FEZ Berlin an dem Projekttag "Israel anders kennen lernen" teilzunehmen. Nach einer anfänglichen Begrüßungsrunde, durch den Geschäftsführer des FEZ und einige Regierungsmitglieder besuchten wir unseren ersten, zuvor gewählten Workshop. Dort gab es unter anderem die Möglichkeiten, durch den Rapper RONI 87 die "Musik in Israel" kennen zu lernen einen Vortrag über das "real life in Israel" zu hören oder mit dem Pressechef des israelischen Militärs zu skypen - eine große Vielfalt war also geboten! Nach diesen Workshops und dem anschließenden leckeren, israelischen Mittagessen ging jeder in seinen zweiten Workshop, um dann in der abschließenden Diskussion (unter anderem mit dem israelischen Botschafter Herrn Yakov Hadas-Handelsman) mitreden und Fragen stellen zu können. An dieser zum Nachdenken anregenden Diskussion beteiligte sich auch ein Schüler des Walther-Rathenau-Gymnasiums besonders lebhaft. Insgesamt haben wir an diesem Tag ziemlich viel erlebt und mitgenommen - der weite Weg nach Schöneweide hat sich also definitiv gelohnt!

Pia & Lena, LK Geschichte

 

Projekttag in der Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU)

Am Montag, dem 12.1.2015, besuchten die GK Geschichte des 4. Semesters von Frau Knobelsdorf und Frau Vorwald die ehemalige Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg. Eine Mitarbeiterin des Bildungsteams dieser Einrichtung wies uns mit einem interessanten und ausführlichen Vortrag in das Thema “Die Staatssicherheit in der ehemaligen DDR” ein. Wir erfuhren u.a., dass das Ministerium für Staatssicherheit am 8. Februar 1950 gegründet wurde und Nachrichtendienst und Geheimpolizei zugleich war. Von Anbeginn war das MfS “Schild und Schwert der Partei” – und zugleich Hilfsorganisation des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Zu diesem Zweck rekrutierte das MfS “geheime Informatoren” und “geheime Mitarbeiter” in der Bevölkerung, später IM (inoffizielle Mitarbeiter) genannt, die konspirativ unter Decknamen operierten. Die Stasi war das Instrument, mit dem die Staatspartei SED in der DDR systematisch die Überwachung des eigenen Volkes betrieb und mit Repressionen ihren Machtanspruch durchsetzte. Besonders verblüffend war, dass von anfänglich ungefähr „bloß“ 27000 (Angabe von 1954) Inoffiziellen Mitarbeitern der Stasi am Ende der DDR 1989 175000, d.h. ein IM pro 100 Einwohner, die Bevölkerung überwachte.

 

Im Anschluss an den Einführungsvortrag konnten wir Fragen stellen und schnell entwickelte sich eine angeregte Diskussion. Nach einer kurzen Pause wurden wir in Gruppen aufgeteilt, um uns anhand von Quellentexten folgende Themen zu erarbeiten:

Die Gruppen „Revisor“ und „Justizwesen der DDR“ behandelten das Konzept und die Struktur der Deutschen Demokratischen Republik.

„OV-Signal“ und „Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi“ informierten über die drastischen Maßnahmen der Überwachung. Der „Ossietzky-Fall“ und „Das Lied der Partei“ verdeutlichten die Selbstverherrlichung der Partei und die Manipulation der Bevölkerung. Die Präsentation unserer Arbeitsergebnisse erfolgte im Plenum.

Abschließend sahen wir ein spannendes Interview mit einer ehemaligen Inoffiziellen Mitarbeiterin, welches den Projekttag gelungen abrundete.

In diesem wurde deutlich, wie sehr Menschen bis zum Ende der DDR am Sozialismus festhielten. Der Wunsch nach Gerechtigkeit, Sicherheit und Gleichheit brachte einige dazu, aus Überzeugung für die Stasi zu arbeiten und damit ihre Mitmenschen zu hintergehen und in jedem Kritiker der DDR einen Feind zu sehen.

Insgesamt hat diese Exkursion sehr gut auf das Unterrichtsthema des 4. Semesters „Die bipolare Welt nach 1945“ eingestimmt und uns schon einmal einen Einblick gewährt.

Sophie Paß, Marielle Domke, Clara Heß

 

Diskussion mit Zeitzeugen

Am Donnerstag, den 11.12.2014 trafen sich Berliner und Brandenburger Schülerinnen und Schüler, um im FEZ-Berlin mit ZeitzeugInnen über das Thema „25 Jahre Friedliche Revolution in Deutschland“ zu diskutieren. Auch 10 Schülerinnen aus dem 1. bzw. 3. Semester des Walther-Rathenau-Gymnasiums waren der Einladung gefolgt. In der ersten Runde wurde die Ausgangslage in der DDR 1989 beleuchtet mit Workshops u.a. zu folgenden Themenschwerpunkten: Kommunale Wahlbetrug in der DDR, Jugendwiderstand und Jugendopposition, China-Demonstration Pankow Juni 1989 und Widerstand in der Ossietzski- Schule.
Nach dem Mittagessen wurden dann in Arbeitsgruppen die unterschiedlichen Konzepte der Friedlichen Revolution 1989 von ZeitzeugInnen vorgestellt und diskutiert.
In der abschließenden Podiumsdiskussion „25 Jahre – und wie weiter?“ stellten sich Petra Pau (Die Linke), Stefan Hilsberg (SPD) und Werner Schulz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) den Fragen ausgewählter JugendsprecherInnen aus den Workshops.
M. Ambrosi, FB Gesellschaftswissenschaften

Für uns Schülerinnen war die Begegnung mit den Zeitzeugen und den Politikern ein einmaliges Erlebnis, welches uns zeigte, was die friedliche Revolution auch heute noch in Deutschland für eine Rolle spielt.
Durch diese Veranstaltung konnten wir die Möglichkeit wahrnehmen, das sonst für uns Schüler so realitätsferne Geschichtliche in unsere Gegenwart zu  holen.
H. Puhlmann, 3. Semester

 

24. Juni 2014
Zum Gedenken an Walther Rathenau

Es hat Tradition, dass in jedem Jahr der Todestag Walther Rathenaus am 24. Juni von einer 7. Klasse unserer Schule würdig begangen wird. In diesem Jahr war es die 7b, der die Ehre zukam, einen Kranz am Gedenkstein für den Ermordeten in der Koenigsallee niederzulegen.K.-D. Wiese, Fachbereich Geschichte / Sozialwissenschaften

Exkursion

... der Grundkurse Geschichte zur Gedenkstätte Hohenschönhausen
Am Freitag, dem 31.1.14, besuchten die GK Geschichte von Frau  Knobelsdorf und Frau Vorwald das ehemalige Stasigefängnis in Hohenschönhausen. Da die Geschichte der DDR im 4. Semester behandelt wird, haben wir unsere Kenntnisse im Rahmen dieser Exkursion erweitern können.
Die Gedenkstätte befindet sich auf einem geschichtsträchtigen Gelände und ist zugleich Museum und Mahnmal des sozialistischen Regimes der DDR.  Nach einem kurzen Einführungsfilm wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt und von zwei Mitarbeitern der Gedenkstätte über das Gelände und durch die Gebäude geführt. Wir erfuhren, dass sich auf der Anlage zuerst ein sowjetisches Speziallager, danach das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für Deutschland und schließlich ein Gefängnis des Ministeriums für Staatsicherheit der DDR befand. Tausende politische Gefangene wurden in der Haftanstalt bis Anfang 1990 festgehalten. Für uns war es besonders interessant, zu erfahren, dass hier keine Schwerverbrecher einsaßen, sondern Menschen, die sich gegen das DDR-Regime gestellt hatten. Politisch Oppositionelle, Fluchtwillige und politisch Verfolgte wurden ihrer Freiheit beraubt und bildeten den Großteil der Gefangenen. Aus diesem Grund ist die Gedenkstätte Hohenschönhausen ein wichtiger Erinnerungsort für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft.
Die Exkursion hat uns einen tiefen Einblick in den Alltag der Gefangenen gegeben und uns sehr eindrücklich über deren Schicksal sowie die politischen Bedingungen in der DDR informiert.
Die Schüler/innen der Grundkurse Geschichte (Knd/Vor)

27. Januar 2014
Tag des Gedenkens
für die Opfer des Nationalsozialismus

In den letzten Jahren hat sich unsere Schule wiederholt am "Blumenprojekt" für die Überlebenden des Holocausts am 27. Januar beteiligt. Anlässlich des "Tages der Befreiung des KZ Auschwitz" überreichten Schüler und Schülerinnen den Überlebenden Blumen. In diesem Jahr gab es mehr Anmeldungen von den Schulen als zu Ehrende. Wir haben uns deshalb entschlossen, zum ersten Mal an der Veranstaltung des Jugendamtes des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und des Vereins "Erinnern und VerANTWORTung" auf dem Theodor-Heuss-Platz teilzunehmen und der Toten mit einem Blumengebinde zu gedenken. Die Gedenkstunde stand unter dem Motto "Wir waren Kinder!". Eröffnet wurde sie mit einer Begrüßung der Vereinsvorsitzenden, Frau Adamek, und einem Grußwort der Stadträtin für Jugend, Familie. Schule, Sport und Umwelt, Frau Jantzen. Das Programm bestand aus Liedern und kurzen Texten, vorgetragen u. a. von Schülerinnen und Schülern des Goethe-Gymnasiums, des Herder-Gymnasiums und der Wald-Oberschule. Trotz eisiger Kälte und andauerden Schneefalls war es für die teilnehmenden Klassen 10c und 9a sowie die Begleiter, Frau Dr. Vorwald und Herrn Wiese, ein angemessenes Zeichen im Programmablauf, für wenige Minuten inmitten eines vielbefahrenen Platzes innezuhalten, zu schweigen, zu gedenken.

Diese Veranstaltung sollte für unsere Schule der Anlass sein, im nächsten Jahr aktiv an diesem Gedenktag mitzuwirken.

K.-D. Wiese, FB Geschichte / Sozialwissenschaften